
Worum geht es?
Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen. Das Gastgewerbe stellt mit fast 100.000 Auszubildenden rund 7,5 % aller Ausbildungsverhältnisse und ist damit eine der größten Ausbildungsbranchen. Das duale System verspürt jedoch in allen Branchen den demografischen Wandel am deutlichsten. Stark rückläufige Schulabgängerzahlen, insbesondere in den neuen Bundesländern, und verstärkte Studierneigung führte im letzten Jahr nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit zu rund 14 % weniger gemeldeten Bewerbern für eine Berufsausbildung. So ging auch die Zahl der Ausbildungsverhältnisse im Gastgewerbe 2008 erstmals seit Jahren wieder zurück (-3,2 %); 2009 setzte sich dieser Rückgang fort (-7,3 %). Es wird immer schwieriger, Ausbildungsplätze mit geeigneten Bewerbern zu besetzen.
Der DEHOGA geht davon aus, dass das Gros der in der Branche benötigten Fachkräfte auch künftig aus dem System der dualen Ausbildung kommen wird. Die beruflichen Weiterbildungen, insbesondere durch die Hotelfachschulen sowie die Meister- und Fachwirtabschlüsse der IHK’s bieten hervorragende und vielfach genutzte Entwicklungsperspektiven. In Zusammenarbeit mit den Unternehmen entwickelte akademische Aus- und vor allem Weiterbildungen (wie duale Studiengänge oder berufsbegleitende Bachelor-/Masterprogramme) ergänzen das System der beruflichen Bildung.
Die Ausbildungsordnungen für die sechs gastgewerblichen Ausbildungsberufe mit ihrer gemeinsamen Grundbildung in den ersten Jahren und den offenen Lernzielformulierungen haben sich bewährt. Für Berufsgruppenbildung und Differenzierung nach Leistungsfähigkeit war die Branche im Neuordnungsverfahren 1998 Vorreiter und – wie sich heute erweist – Trendsetter. Durch ein abgestuftes System, das von dem zweijährigen Ausbildungsberuf „Fachkraft im Gastgewerbe“ für praktisch begabte Jugendliche bis hin zu anspruchsvollen Zusatzqualifikationen für Abiturienten reicht, ist es möglich, für die zunehmend heterogener werdende Gruppe der Auszubildenden attraktive Angebote zu machen und berufliche Perspektiven zu bieten. Die Absolventen sind als Fachkräfte in renommierten Hotels und Restaurants auf der ganzen Welt begehrt und bekleiden dort oftmals Schlüsselpositionen.
Was fordern wir und warum?
In erster Linie ist die Branche selbst gefordert, junge Menschen für Ausbildung in Hotellerie und Gastronomie zu begeistern, sie so zu qualifizieren, dass sie für ihr Arbeitsleben gut gerüstet sind, und ihnen eine attraktive berufliche Perspektive zu bieten. Um dies zu unterstützen, hat der DEHOGA im Frühjahr 2010 seine „Initiative Ausbildungsqualität“ gestartet. Mit Hilfe verschiedener Bausteine wie einem Azubi-Bewerber-Knigge, einem Ausbilder-Wegwei-ser und Ausbilder-Seminaren sollen im Netzwerk mit IHK’s und Berufsschulen den betrieblichen Ausbildern Hilfen für den Ausbildungsalltag an die Hand gegeben werden. Eine flächendeckend gute Ausbildung, die im Respekt vor den Auszubildenden das für eine erfolgreiche Berufstätigkeit erforderliche Wissen und Können vermittelt, ist unser Ziel. Abbruch- und Abwanderquoten sollen verringert werden. Qualität in der Ausbildung ist Voraussetzung für erfolgreiche Nachwuchssicherung.
Die duale Berufsausbildung in Deutschland ist ein Erfolgsmodell. Damit sie weiterhin ihre Stärken – Vermittlung von Handlungskompetenz und Orientierung am Bedarf – ausspielen kann, sind alle Bildungsakteure gefordert. Von besonderer Bedeutung sind der Austausch untereinander und die Zusammenarbeit.
Zur Ausbildungsreife gehören auch die Vorbereitung auf das Arbeitsleben und die Berufsorientierung. Diese muss an den Schulen einen höheren Stellenwert bekommen und in stärkerer Kooperation mit Unternehmen und Arbeitsagenturen gelebt werden. Berufsberatung darf sich nicht am politischen Ziel der Erhöhung der Studierendenquote ausrichten, sondern muss Arbeitsmarktperspektiven insgesamt betrachten. Projekte wie ein „permanenter Praxistag“ in den letzten Schuljahren sind ein gutes Bei-
spiel.
Die Ausbildungsunternehmen des Gastgewerbes sind aufgerufen, sich in diesen Prozess noch aktiver als heute einzubringen, z.B. durch Schulkooperationen und Patenschaften, Tage der offenen Tür und Schnupperpraktika. Im Übergangssystem sind praxisnahe Angebote wie die Einstiegsqualifizierung besonders erfolgreich. Rein schulische Ausbildungsvorbereitungsmaßnahmen sollten demgegenüber weiter zurückgefahren werden.
Die Unternehmen müssen bei der Ausbildung pragmatisch unterstützt werden. Besondere Bedeutung hat die Förderung bei Ausbildung lernschwächerer Jugendliche, z.B. durch ausbildungsbegleitende Hilfen (abH). Ausbildungshemmnisse durch ein lebensfremdes Jugendarbeitsschutzgesetz oder hohe Ausbildungsgebühren sind abzubauen.
Ausbildung im Gastgewerbe bietet Perspektiven fürs Leben, und zwar auf allen Niveaus, was auch an steigenden Weiterbildungszahlen erkennbar ist. Die Entwicklungsmöglichkeiten für dual ausgebildete Fachkräfte sind nach wie vor sehr gut. Diese lassen sich im übrigen im Gastgewerbe nicht an Übernahmequoten messen, denn wechselnde, bevorzugt internationale Stationen im Lebenslauf und das Sammeln vielfältiger Berufserfahrung gehören in der Branche zum Karrierekonzept dazu.
Auf dem Weg zu Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung muss weiter vorangegangen werden. Ein wichtiges Instrument zur Sichtbarmachung der prinzipiellen Gleichwertigkeit der Bildungswege ist der Deutsche Qualifikationsrahmen (DQR). In diesem dürfen daher die allgemeinbildenden Schulabschlüsse, die für sich allein noch keinerlei berufliche Handlungskompetenz vermitteln, nicht höher bewertet werden als duale Berufsabschlüsse.
Das duale System muss durch die Ausbildungspartner attraktiv gestaltet werden, z.B. durch Zusatzqualifikationen und zu gegebener Zeit durch Modernisierung der Ausbildungsordnungen. Kontraproduktiv sind in diesem Zusammenhang jedoch Bestrebungen, die Werte des Berufsprinzips durch Modularisierung (z.B. über Ausbildungsbausteine) in Frage zu stellen.
Mehr Informationen:
… und über RA’in Sandra Warden, Fon 030/72 62 52-46, warden@dehoga.de
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