
Worum geht es?
Die Sicherung des Fach- und Arbeitskräftebedarfs ist die größte Aufgabe für den Arbeitsmarkt der Zukunft in allen Branchen. Das extrem personalintensive Gastgewerbe mit seinem hohen Anteil dual ausgebildeter Fachkräfte, den besonderen Anforderungen an die Mitarbeiter, seinen vielen Kleinbetrieben und der angespannten Ertragslage steht hier vor besonderen Herausforderungen. Ausreichende und richtig qualifizierte Fach- und Arbeitskräfte entscheiden daher über Leistungsfähigkeit und Dienstleistungsqualität der Branche sowie über Wachstum in Deutschland und die Stabilität der sozialen Sicherungssysteme. Einige Zahlen, die das Spannungsfeld zwischen strukturellen Defiziten und demografischem Wandel veranschaulichen:
In Hotellerie und Gastronomie ist derzeit noch kein akuter Fachkräftemangel zu verzeichnen. Wohl aber existieren in einigen Regionen, für bestimmte Qualifikationen und zu bestimmten Zeiten (Saison) zunehmend Schwierigkeiten, auf dem Arbeitsmarkt geeignete und motivierte Bewerber zu finden. Der Entwicklungstrend ist dabei signifikant:
Hotellerie und Gastronomie haben in den letzten Jahren kontinuierlich Beschäftigung aufgebaut.
In den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Branche nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit um 10,2 % erhöht. Die Zahl der bei den Arbeitsagenturen gemeldeten Stellen nahm um 32,3 % zu. Parallel dazu sank die Zahl der gemeldeten Arbeitssuchenden deutlich, z.B. bei Köchen um 39,3 %, bei Hotelfachleuten um 50,9 %. Die Ausbildungsverhältnisse in den sechs gastgewerblichen Berufen wurden zwischen 1995 und 2007 um insgesamt rund 70 % gesteigert. Seit zwei Jahren verzeichnet die Branche dort ein Minus von 3,2 % (2008) bzw. 7,3 % (2009).
Was fordern wir und warum?
Für die Sicherung des Fach- und Arbeitskräftebedarfs ist eine Gesamtstrategie von Politik und Wirtschaft erforderlich, die sowohl Qualifizierung und Aktivierung des inländischen Erwerbspersonenpotenzials in den Blick nimmt als auch – zeitgleich – Zuwanderungsfragen arbeitsmarktorientiert angeht. Mit Sorge sieht der DEHOGA, dass verschiedene Handlungsfelder gegeneinander ausgespielt werden. Dies wird der Herausforderung nicht gerecht. Jeder der beteiligten Akteure ist aufgerufen, an seiner Stelle die notwendigen Schritte konsequent umzusetzen - ohne ideologische Scheuklappen. Die Branchenverantwortung reicht dabei vom Nachwuchsmarketing und Mitarbeiterbindung über Engagement in der Weiterbildung bis hin zur Tarifpolitik.
Die Azubis von heute sind die Fachkräfte von morgen. Daher ist die Branche gefordert, junge Menschen für eine Ausbildung im Gastgewerbe zu begeistern, sie so zu qualifizieren, dass sie für die Arbeit in Hotellerie und Gastronomie gut gerüstet sind und ihnen eine attraktive berufliche Perspektive zu bieten. Im Mai 2010 hat der DEHOGA seine „Initiative Ausbildungsqualität“ gestartet, um mit Hilfe verschiedener Bausteine und im Netzwerk mit IHK’s und Berufsschulen den betrieblichen Ausbildern Hilfen für den Ausbildungsalltag an die Hand zu geben.
Eine flächendeckend gute Ausbildung, die im Respekt vor den Azubis das erforderliche Können und Wissen vermittelt, ist unser Ziel. Abbruch- und Abwanderquoten sollen verringert werden. Immer wichtiger wird weiter das Nachwuchsmarketing. Gefordert sind alle Akteure. Angefangen bei Schulen und Elternhäusern, die die nötigen Basiskenntnisse und Schlüsselqualifikationen vermitteln und Jugendliche zu Schulabschluss und Ausbildungsreife bringen müssen. Berufsorientierung ist hier Kernaufgabe. Bund und Länder sind gefordert, das erfolgreiche duale System zu sichern, z.B. durch einen praxisnäheren Berufsschulunterricht und effektive Unterstützung von Betrieben. Im Gastgewerbe wird auch in Zukunft das Gros der Fachkräfte aus der beruflichen Bildung kommen. Daneben gewinnen (duale) Studiengänge sowie die Durchlässigkeit von beruflicher und akademischer Bildung an Bedeutung.
Es ist illusorisch zu glauben, Deutschlands Arbeitsmarkt käme ohne Einwanderung aus. Hotellerie und Gastronomie benötigen sowohl bestimmte Qualifikationen aus dem Ausland, wie beim Company Transfer und bei Spezialitätenköchen, als auch Saisonarbeitskräfte. Außerdem „exportiert“ diese internationale Branche die begehrten dualen Fachkräfte in die ganze Welt; an der Spitze internationaler Hotels stehen oftmals deutsche Führungskräfte. weiter.
Viele andere Länder stehen vor einer ähnlichen demografischen Situation wie Deutschland. Daher müssen wir jetzt anfangen, Zuwanderung am Arbeitsmarkt auszurichten. Die Einkommensgrenze für Hochqualifizierte muss auf 40.000 € gesenkt werden. Nach Eintritt der Arbeitnehmerfreizügigkeit für die osteuropäischen EU-Beitrittstaaten des Jahres 2004 sind neue bilaterale Saison- und Gastarbeitnehmerabkommen mit Drittstaaten abzuschließen. Die bestehenden Regelungen der Beschäftigungsverordnung sind zu sichern.
Wir können es uns nicht erlauben, Erwerbstätigenpotenzial brach liegen zu lassen. Bisher vernachlässigte Gruppen wie Migranten, Langzeitarbeitslose oder Ältere müssen stärker aktiviert bzw. länger in Arbeit gehalten werden. Wichtig sind frühzeitige Qualifizierung und lebenslanges Lernen, Arbeitsanreize, Integration und bessere Anerkennungsverfahren für ausländische Abschlüsse. Das Gastgewerbe hat einen hohen Frauenanteil; ihnen ist durch bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, insbesondere durch flexible Kinderbetreuungsangebote, die Entscheidung für eine Vollzeittätigkeit zu erleichtern.
Mehr Informationen:
… und über RA’in Sandra Warden, Fon 030/72 62 52-46, warden@dehoga.de
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