Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V.
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Dinner gleich Show

Von Jürgen Benad  

Viele Restaurants und Hotels bieten ihren Gästen neben dem rein kulinarischen Erlebnis noch Unterhaltung, etwa eine Dinner-Show oder ein Krimi-Dinner. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat sich mit der umsatzsteuerlichen Frage auseinanderzusetzen gehabt, wie die miteinander verbundenen Leistungen Menü und Show zu beurteilen sind.

Dem Urteil lag folgender Sachverhalt zugrunde: Die Klägerin betreibt ein Hotel. In einem vor dem Hotelgebäude aufgebauten Zelt veranstaltete sie in den Streitjahren 2004 und 2005 eine „Dinner-Show“. Die Eintrittskarten kosteten zwischen 93 Euro und 109 Euro und umfassten eine Varieté- und Theatershow, ein Menü mit vier Gängen und die Garderobe. Getränke wurden gesondert berechnet. Während der Veranstaltung saßen die Gäste nicht in Stuhlreihen, sondern an Tischen.

Vor und zwischen den musikalischen und künstlerischen Darbietungen wurden die einzelnen Gänge und Getränke serviert und abgeräumt. Zur Unterhaltung während des Essens fand als „Nebenprogramm“ eine musikalische Begleitung statt. Die Gesamtdauer der Veranstaltung betrug vier Stunden. Davon entfielen zirca eineinhalb Stunden auf das Menü.

Die Hotelbetreiberin ging davon aus, dass sie mit der Veranstaltung der Dinner-Show zwei selbstständige Leistungen erbringe: Umsätze, die dem Regelsteuersatz unterliegen (Menü) und solche, die dem ermäßigten Steuersatz unterliegen (Varieté). Als Entgelt für die regelbesteuerte Leistung, das Menü, legte sie einen Betrag von 15 Euro zugrunde, den Restbetrag unterwarf die Hotelbetreiberin dem ermäßigten Steuersatz.

Im Anschluss an eine Außenprüfung vertrat das Finanzamt die Auffassung, dass die kulinarischen und künstlerischen Elemente der Dinner-Show zwar gleichwertig nebeneinander stünden, aber aus Sicht des Durchschnittsverbrauchers ein „Kombinationserlebnis“ im Vordergrund stehe. Es handele sich somit um eine einheitliche Leistung, die in voller Höhe dem Regelsteuersatz unterliege.

Das Finanzgericht gab der Klage der Hoteliere statt. Zur Begründung führte es im Wesentlichen aus, dass das Finanzamt die Umsätze zu Unrecht insgesamt dem Regelsteuersatz unterworfen habe. Für die Berechnung des auf die ermäßigt zu besteuernde künstlerische Leistung bezogenen Teils des Gesamtpreises sei von einem durchschnittlichen Gesamtpreis pro Eintrittskarte von 100 Euro brutto und einem durchschnittlichen Menüpreis von 40 Euro brutto auszugehen. Da die Klägerin bereits 15 Euro brutto des auf die Restaurationsleistungen entfallenden Anteils von 40 Euro dem Regelsteuersatz unterworfen habe, seien die noch streitigen Umsätze im Verhältnis 25/85 (Regelsteuersatz) und 60/85 (ermäßigter Steuersatz) aufzuteilen.

Das hat der Bundesfinanzhof anders gesehen. Nach seinem Urteil erbrachte die Hotelbetreiberin mit der Veranstaltung der Dinner-Shows eine einheitliche, insgesamt dem Regelsteuersatz unterfallende sonstige Leistung. Dazu führte der BFH aus, dass im Streitfall die künstlerischen und kulinarischen Leistungen untrennbar miteinander verbunden sind und eine komplexe Leistung bilden. Der Charakter der im Streitfall zu beurteilenden Leistungen werde wesentlich durch die Mischung aus Unterhaltung und gutem Essen verbunden mit dem Ambiente eines Spiegelzeltes bestimmt. Die künstlerischen und kulinarischen Leistungen seien aufeinander abgestimmt und griffen in zeitlicher Hinsicht ineinander.

Durch die Verflechtung beider Komponenten sei es dem Verbraucher oder Gast nicht möglich, nur die künstlerische oder nur die kulinarische Leistung in Anspruch zu nehmen. Zwar würden Varieté-Shows und 4-Gänge-Menüs im Wirtschaftsleben auch getrennt erbracht. Dies allein rechtfertige jedoch keine Aufspaltung des Vorgangs.

Der Autor ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer im DEHOGA Bundesverband, Berlin.


RA Jürgen Benad
Geschäftsführer
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