Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V.
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DEHOGA Interview zu den Ausbildungsbedingungen im Gastgewerbe im Nachgang der Corona-Pandemie

dpa Interview mit DEHOGA Geschäftsführerin Sandra Warden

Wie schätzen Sie die Ausbildungsbedingungen im Gastgewerbe nach dem Abflauen der Corona-Pandemie ein? Haben sie sich pandemiebedingt verändert? Wenn ja, zum Guten oder zum Schlechten?

Die Pandemiejahre haben bei uns allen Spuren hinterlassen. Sie haben aber auch gezeigt, worauf es in Krisensituationen ankommt: Auf eine gute, vertrauensvolle und wertschätzende Kommunikation. Arbeitgeber und Ausbilder, die durch regelmäßige Telefonate, WhatsApp-Gruppen oder auch virtuelle Teamevents persönlichen Kontakt zu ihren Mitarbeitern und Auszubildenden gehalten haben, wurden belohnt. Viele Teams sind noch stärker zusammengewachsen – trotz Lockdown und Kurzarbeit. Dieses stärkere Miteinander über Hierarchien und Konventionen hinweg – das ist gut und wird bleiben.

Die Vorteile der Digitalisierung sind in Krisenzeiten sichtbarer geworden. Modernes Lernen über neue Medien und der digitale Austausch im Team finden nun noch häufiger statt. Auch bei den Ausbildungsinhalten macht sich der digitale Turbo bemerkbar, z.B. was Themen wie den Onlinevertrieb in der Hotelausbildung oder Bestell- und Bezahlsysteme angeht. Auf der anderen Seite haben Azubis, Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen wie die Gäste aber auch die Grenzen digitaler Kommunikation erlebt. Die Wertschätzung für persönlichen Austausch ist dadurch gewachsen – eine gute Nachricht für eine Branche, die von persönlichen Begegnungen lebt.

Stärker als je zuvor wurde in der Pandemiezeit deutlich: Es braucht gute und moderne Ausbildungsbedingungen, engagierte Ausbilder und Wertschätzung und Kommunikation auf Augenhöhe, um junge Menschen für die Branche der Gastlichkeit zu begeistern und zu halten. Dieses Bewusstsein wird sich positiv im Ausbildungsalltag auswirken.

Zeigt sich der Fachkräftemangel im Gastgewerbe in Deutschland flächendeckend? Und wirkt sich für (angehende) Azubis positiv oder negativ aus?

Die Gewinnung von Fachkräften ist deutschlandweit für die Betriebe eine Herausforderung. Gesucht werden Mitarbeiter sowohl in Metropolen als auch auf dem Land, sowohl in Städten als auch in den Urlaubsregionen.

Was für die Betriebe eine Riesen-Herausforderung darstellt, ist für den Nachwuchs eine Chance. Angehende Azubis haben die Wahl bei ihrem zukünftigen Ausbildungsbetrieb. Sie sollten sich überlegen, was für sie persönlich besonders wichtig ist: Ist es die Möglichkeit einer internationalen Karriere? Oder passt ein Familienbetrieb in der Heimatregion, wo ich verwurzelt bin, besser zu mir? Steht die solide handwerkliche Grundlage im Vordergrund oder möchte ich in einen besonders innovativen, durchdigitalisierten Betrieb? Möchte ich eine schnelle, praxisorientierte Ausbildung machen oder eine anspruchsvolle, kaufmännisch orientierte?

Was schreckt Azubis womöglich von einer Ausbildung im Gastgewerbe ab, und lassen sich hier bestimmte Vorurteile entkräften?

Ausbildung und Berufstätigkeit im Gastgewerbe ist kein Nine-to-Five-Job. Gearbeitet wird auch abends, an Feiertagen und Wochenenden. Aber das bedeutet auch: Trockenen Alltag gibt es in unserer Branche nicht. Jeder Tag ist anders. Zudem gibt es nicht wenige, die es sehr wohl zu schätzen wissen, unter der Woche auch mal frei zu haben und private Termine wahrnehmen zu können, ohne dafür einen Urlaubstag nehmen zu müssen und ohne lange Warteschlangen. Jede Branche, jeder Beruf hat schöne, aber auch herausfordernde Seiten.

Was soll/wird sich auch mit der Neuerung der Ausbildungsordnung in den Gastro-Berufen verändern bzw. verbessern?

Die neuen Ausbildungen im Gastgewerbe sind ab August noch vielfältiger, attraktiver und wertiger.

Alle Ausbildungsinhalte standen auf dem Prüfstand der Branchenexperten und wurden an die veränderten Anforderungen angepasst. Wandel ist im Gastgewerbe Normalität: Trends entstehen, Gästewünsche ändern sich, Innovationen drängen auf den Markt. All das verändert auch die Arbeit.

Die Ausbildungen der Gastronomie, Hotellerie und Küche wurden modernisiert und neu strukturiert, Berufsprofile geschärft und attraktiver ausgestaltet. Teilweise haben Berufe auch eine neue Ausrichtung und neue Namen bekommen. Es gibt jetzt die Fachleute für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie sowie die Kaufleute für Hotelmanagement. Ganz neu ist die zweijährige Ausbildung zur Fachkraft Küche.

Insgesamt mehr Wert gelegt wird auf Digitales, Verbraucherschutz, Nachhaltigkeit, Ernährungstrends und Teamwork.

Auch die Prüfungen wurden modernisiert. Wer einen zweijährigen Beruf lernt, bekommt Zeit und Prüfungsleistungen angerechnet, wenn er danach im dreijährigen Beruf weitermacht.

Wie finde ich als angehender Azubi den bestmöglichen Ausbildungsbetrieb? Auf welche Faktoren kann ich achten? Was kann ich selbst dazu beitragen, dass meine Ausbildung erfolgreich verläuft?

Hotels und Restaurants, die das DEHOGA-Zertifikat "TOP-Ausbildungsbetrieb" tragen, haben sich auf zwölf starke Leitsätze für eine optimale Ausbildung verpflichtet. Das Besondere an diesem Siegel: Die Azubis selbst prüfen und bestätigen die Einhaltung der Qualitätsleitsätze. Das verleiht den Auszeichnungen eine sehr hohe Glaubwürdigkeit und Authentizität und hebt die teilnehmenden Betriebe vor Mitbewerbern hervor. Unter www.topausbildung.de können Jugendliche und Eltern nach zertifizierten Ausbildungsbetrieben in der Region suchen.

Branchenrelevante Stellenbörsen sind z.B. https://www.jobsterne.de/ oder https://www.hotelcareer.de/

Viele DEHOGA-Landesverbände haben auf ihren Websites eigene Ausbildungsbörsen oder bieten interessante regionale Links an. Und auch die verschiedenen Social Media-Kanäle bieten Einblicke in spannende Ausbildungsaktivitäten der Betriebe.

Jugendliche können sich gerne auch initiativ bei Ausbildungsbetrieben bewerben, die sie reizvoll finden – auch ohne eine konkrete Stellenausschreibung. Sogar einfach anrufen oder vorbeigehen kann funktionieren – das persönliche Auftreten ist den meisten Betrieben wichtiger als eine durchgestylte schriftliche Bewerbung.

Was in unserer Branche zählt, sind Leidenschaft, Verlässlichkeit und Flexibilität – und Begeisterung für Menschen. Wer aufgeschlossen und lernbereit ist, hat in unserer Branche beste Chancen – hier in Deutschland, aber auch überall auf der Welt.