Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V.
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DEHOGA Interview zum Thema Arbeitsmarkt und Löhne

Interviewanfrage vom RND an DEHOGA-Geschäftsführerin und Arbeitsmarktexpertin Sandra Warden

Wie wirken sich die steigenden Löhne in der Gastro aus?

„Nachdem es während der Corona-Lockdowns im Gastgewerbe keine neuen Tarifabschlüsse gab, wurden in den letzten Monaten Entgelttarifverträge mit deutlichen Lohnerhöhungen im zweistelligen Prozentbereich abgeschlossen. Dadurch soll wieder an die positive Beschäftigungsentwicklung vor Beginn der Pandemie angeknüpft werden. Auch die tariflichen Ausbildungsvergütungen steigen stark an, was ein wichtiges Signal für die Fachkräftesicherung darstellt. Für die Unternehmen stellen allerdings die damit verbundenen Personalkostensteigerungen eine Herausforderung dar, zumal wir ja auch in anderen Bereichen, gleichzeitig massive Kostensteigerungen erleben.“

Rechnen Sie damit, dass das einem möglichen Personalmangel entgegenwirkt?

„Faire Löhne sind notwendige Voraussetzung für eine funktionierende Arbeitskräftesicherung. Insbesondere in den Großstädten, wo Lebenshaltungskosten oft höher sind, zahlen viele Unternehmer seit längerer Zeit übertariflich und bieten zusätzliche Benefits, um engagierte Mitarbeiter zu halten und neue zu gewinnen. Die aktuellen deutlichen Steigerungen sind ein wichtiger Baustein, um Jobs und Ausbildungen in der Branche attraktiver zu machen. Zugleich wissen wir, dass Geld nicht alles ist. Faktoren wie ein vertrauensvolles Betriebsklima, Wertschätzung und gute Entwicklungsmöglichkeiten spielen mindestens eine ebenso wichtige Rolle.“

Wie wirken sich die Lohnsteigerungen auf die Gastro-Preise aus? Ist da ein (weiterer) Anstieg absehbar? Und wenn ja, in welcher Größenordnung?

„Ein Betrieb muss natürlich wirtschaftlich und profitabel geführt werden, um am Markt zu überleben. Es ist die individuelle Entscheidung des Unternehmers, wie er auf steigende Personalkosten und auch auf die deutlich steigenden Energie- und Lebensmittelpreise reagiert. Steigende Kosten müssen und werden die Preiskalkulation verändern – ob durch Preisanpassungen, optimierte Betriebsabläufe oder ein verändertes Angebot oder einen Mix aus alledem. Der DEHOGA gibt hier keine Empfehlungen oder Prognosen ab. Ein guter Gastgeber wird Anpassungen bei Preis und Angebot so vornehmen, dass sein Betrieb auch für Gäste mit schmalerem Budget weiterhin attraktiv bleibt. Solange die Qualität stimmt, werden die Gäste Verständnis für Preisanpassungen haben.“