Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V.
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Nach der Pandemie wird der Stellenwert der Betriebsrestaurants steigen

Zu den Entwicklungen, Herausforderungen und Perspektiven der Cateringbranche unter dem Einfluss der Corona-Pandemie spricht DEHOGA-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges am 18. Mai mit Die Welt:

Wie ist das Jahr 2020 für die Contract-Caterer und Kantinenbetreiber gelaufen? Wie groß waren die Einbrüche? Bitte nennen Sie mir die Branchenzahlen und geben Sie mir eine Einschätzung zur Lage der Branche.

Die Contract Caterer sind auf vielen Geschäftsfeldern hochspezialisierte und qualifizierte Dienstleister. Ja, ich würde sagen, es sind echte Hidden Champions. Sie bewirtschaften Betriebsrestaurants, Schulen, Kitas, Krankenhäuser, Kliniken und Altersheime. Wichtige Säulen der Contract Caterer sind darüber hinaus die Messegastronomie, die Stadiongastronomie und das Eventcatering, das heißt die Verpflegung bei Großveranstaltungen ob Konzerte und Kirchentag.

Welche Bereiche in der Branche haben besonders gelitten und welche Bereiche sind noch gut gelaufen?

Das Statistische Bundesamt weist für die Caterer im Jahr 2020 Umsatzverluste von real 33,8 Prozent aus. In den Corona-Monaten von März 2020 bis Februar 2021 lag der Umsatz real 40,5 Prozent unter dem Umsatz im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Dabei verliefen die Entwicklungen in den einzelnen Segmenten unterschiedlich. Die Umsatzentwicklungen in den Betriebsrestaurants hingen sehr stark davon ab, ob und in welchem Umfang beim Auftraggeber Home-Office verbreitet und praktiziert wurde. Dies fand hauptsächlich statt in den Verwaltungen oder im Banken- und Versicherungswesen, in der produzierenden Industrie deutlich weniger. Besonders gravierend waren die Einbrüche im Event-Catering. Veranstaltungen wie Konzerte fielen aus, Fußballstadien blieben ohne Zuschauer, Messen fanden ebenso nicht statt.

Auch Schulen und Kitas meldeten nicht unerhebliche Umsatzeinbußen. Unterschiede ergaben sich aufgrund der landesspezifischen Regelungen bei den Schulschließungen. Bei den Kitas waren die Umsatzeinbußen etwas geringer. Vergleichsweise stabil entwickelte sich das so genannte Care-Catering, das heißt, die Verpflegung und Bewirtung von Patienten in Krankenhäusern beziehungsweise von Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen.

Welche Folgen kann Corona für Contract-Caterer und Kantinenbetreiber künftig noch haben? Das Thema Homeoffice dürfte ja auch in Zukunft einen völlig andere Stellenwert haben als vor der Pandemie…

Wir sind sehr zuversichtlich, dass bei erfolgreicher Fortsetzung der Impfungen und bei Vorhandensein des Schutzes auch gegen Mutationen sich der Event-Catering-Bereich spätestens ab Herbst erholen wird. Bei den Betriebsrestaurants wird es stark davon abhängen, ob und in welchem Umfang Home-Office nach der Pandemie noch im Trend liegt, oder ob die Unternehmen wie die Mitarbeiter die Vorzüge des täglichen Miteinanders am Arbeitsplatz neu entdecken. Wir hoffen, dass der Stellenwert der Betriebsrestaurants steigen wird – als Dreh- und Angelpunkt für Ernährung, Gesundheit, Wohlfühlen und Kommunikation, als Teil einer guten Unternehmenskultur und als wichtige Begegnungsstätte für Kollegen.

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