Deutscher Hotel- und Gaststättenverband e.V.
(DEHOGA Bundesverband)


Am Weidendamm 1 A, 10117 Berlin
Fon 030/72 62 52-0, Fax 030/72 62 52-42
info​[at]​dehoga.de, www.dehoga.de


NOZ Interview zum Thema Energiepreise im Gastgewerbe

1.  Auch die Gastronomie bekommen die hohen Energiepreise zu spüren. Welche Rückmeldung erhalten Sie aus der Branche von Restaurantbesitzern und Co.? Welche Preissteigerungen erlebt das Gastgewerbe gerade?

Der DEHOGA Bundessverband teilt mit: „Aus einer aktuellen DEHOGA-Umfrage, an der sich 3000 gastgewerbliche Betriebe aus ganz Deutschland vom 31. August bis 4. September beteiligt haben, geht hervor, dass Hoteliers und Gastronomen in Deutschland ganz gewaltig unter der Kostenexplosion bei Energie, Lebensmitteln und Personal leiden. So belegen die Umfrage-Ergebnisse, dass die Energiekosten schon jetzt bei fast der Hälfte der Betriebe (48,8%) auf 10 Prozent und mehr des Umsatzes gestiegen sind. Bei 10,7 Prozent der Unternehmen machen die Energiekosten zwischen 15 und 20 Prozent des Umsatzes aus, bei 8,7 Prozent betragen die Kosten sogar mehr als 20 Prozent des Umsatzes. Die steigenden Energiepreise stehen laut der DEHOGA-Umfrage bei 89,0 Prozent der Betriebe ganz oben im Problem-Ranking. 56,3 Prozent der Unternehmer berichten von angekündigten Preissteigerungen bei Strom, die durchschnittlich 103,8 Prozent betragen. Bei 60,8 Prozent der Betriebe werden sich die Gaspreise um durchschnittlich 152,4 Prozent erhöhen. Teilweise werden auch Erhöhungen von 400 bis 500 Prozent gemeldet. In Einzelfällen rechnen Betriebe sogar mit bis zu achtfachen Preissteigerungen. Konkrete Ankündigungen von den Versorgern liegen jedoch oft noch nicht vor.

Erschwerend hinzu kommt, dass der Umsatz weiterhin unter dem Vorkrisenniveau liegt. Für August meldet die Branche ein Umsatzminus von nominal 2,6 Prozent gegenüber August 2019. Im Zeitraum von Januar bis August 2022 setzten die Betriebe im Vergleich zum Vorkrisenzeitraum 9,7 Prozent weniger um. Laut Umfrage schätzen 37,7 Prozent der Unternehmer die Kostenentwicklung im Bereich Energie als ‚existenzbedrohend‘ ein. Neben den Energiekostensteigerungen gehören die steigenden Lebensmittelpreise (73,5%), die Umsatzrückgänge (67,0%) sowie die Personalkosten (62,5%) zu den größten Herausforderungen für die Betriebe.“

2. Haben gastgewerbliche Unternehmen auf die Preissteigerungen bereits reagiert und falls ja, in welchem konkreten Umfang/Ausmaß? (Preise für Kunden, Öffnungszeiten, Mittagstische etc.)?

DEHOGA Bundesverband: „Unsere Betriebe versuchen alles, die gewaltigen Kostenexplosionen in den Griff zu bekommen. Sie gestalten ihre Betriebsabläufe noch effizienter und optimieren im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten ihre Angebote. Teilweise werden auch die Öffnungszeiten reduziert. Gleichzeitig investieren unsere Unternehmer in erheblichem Umfang in Energiesparmaßnahmen. Das können unsere Betriebe jedoch nicht aus eigener Kraft leisten. Hier erwarten wir, dass die Bundesregierung alles unternimmt, damit ausreichend Energie verfügbar und bezahlbar ist. Für existenziell betroffene Unternehmen ist ein Energie-Rettungsschirm zu schaffen.“

3. Welche Folgen haben die Mehrausgaben für Gäste? (Preise für Kunden, Öffnungszeiten, Mittagstische etc) Und womit rechnen Sie noch? Wird der Restaurantbesuch künftig teurer? In welchem Ausmaß?

DEHOGA Bundesverband: „Eine solche Vervielfachung der Energiekosten kann nicht über Preisanpassungen kompensiert werden, da auch die Gäste von der Inflation und insbesondere den steigenden Energiekosten betroffen sind. Deswegen ist es eine große Herausforderung, die Preise und das Angebot sorgfältig zu kalkulieren und individuelle Einsparpotentiale zu prüfen. Dabei ist jeder Unternehmer gefordert, seine Gäste und den Betriebstypen im Blick zu haben. Wer ein Fünf-Sterne-Hotel führt, der wird die Preise in der jetzigen Situation eher anheben können, ohne Kunden zu verlieren, solange das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Das Wirtshaus hingegen muss sehr genau austarieren, bei welchem Produkt welche Steigerung möglich ist, und ab welchem Preis Stammgäste nicht mehr kommen. Grundsätzlich ist jeder Unternehmer verpflichtet, Gewinne zu erwirtschaften, die Arbeitsplätze zu sichern, seine Familie versorgen zu können und dann auch wieder in die Zukunft seines Betriebes zu investieren. Im dritten Jahr der Pandemie mit verheerenden Folgen für die Branche gilt das mehr denn je. Insgesamt neun Monate Lockdown und eine Vielzahl massiver Einschränkungen haben im Gastgewerbe tiefe Spuren hinterlassen. Die Konten sind leer, Rücklagen aufgebraucht, Kredite müssen zurückgezahlt werden.“

4. Was erwarten Sie in Hinblick auf das Gästeverhalten? Werden Gäste künftig auf den Restaurantbesuch verzichten? Was für einen Rückgang erwarten Sie konkret?

DEHOGA Bundesverband: „Bislang ist die Nachfrage in vielen Betrieben noch gut, auch wenn bei den Gästen teilweise bereits eine Zurückhaltung festgestellt wird. Restaurants und Cafés haben als Treffpunkt und Wohlfühlorte eine hohe gesellschaftliche Relevanz. Vielen in der Bevölkerung wurde das erst bewusst, als Gastronomie und Hotellerie in den Phasen des Lockdowns geschlossen waren. Die Straßen waren leergefegt, die Innenstädte trist und verwaist. Das hat gezeigt, welche bedeutende Rolle die Branche der Gastfreundschaft auch für die Attraktivität von Innenstädten hat “

5. Gibt es bereits Schließungen? In welchem Umfang werden diese womöglich zunehmen? Was erwarten Sie? Wie viele Betriebe sehen Sie in Deutschland bedroht?

DEHOGA Bundesverband: „Für Insolvenzen und Betriebsaufgaben sind stets mehrere Faktoren verantwortlich. Aber keine Frage: Die Lage zahlreicher Betriebe ist hochproblematisch. Nach 30 verlustreichen Pandemiemonaten haben viele Betriebe keine Rücklagen mehr, dafür hohe Kreditverbindlichkeiten, und ein Ende der Preisspirale ist nicht in Sicht. Viele Hotel- und Restaurantbetreiber blicken mit größter Sorge auf den Herbst. Die drohenden Corona-Maßnahmen lösen Befürchtungen aus, dass erneut wie im vergangenen Winter mit hohen Umsatzverlusten zu rechnen ist. In den Wintermonaten 2021/2022 lagen die durchschnittlichen Umsatzverluste real bei über 30 Prozent. Hinzu kommen offene Fragen zur Sicherung der Energieversorgung.“

6. Können Sie eine grobe Beispielrechnung skizzieren, welche Kosten in der Gastronomie (Beispiel Restaurant) generell anfallen und welchen Anteil Energiekosten haben?
Notiz: Bitte wenden Sie sich wie telefonisch besprochen an einen unserer Landesverbände, da die einzelnen Hoteliers und Gastronomen, also die gastgewerblichen Unternehmer und Arbeitgeber, Mitglied in den jeweiligen DEHOGA-Landesverbänden sind.

6. Im Winter finden viele Weihnachtsfeiern statt. Was erwarten Sie hier? Welche Bedeutung haben Weihnachtsfeiern überhaupt für Gastronomiebetriebe?

DEHOGA Bundesverband: Die Advents- und Weihnachtszeit gehört für viele Gastronomen zu den wichtigsten Wochen des Jahres.

(Wir versuchen, Ihnen den ersten Teil der Frage 6. nachzureichen.)

7. Was ist Ihre Forderung an die Bundesregierung?

DEHOGA Bundesverband: „Wir erwarten, dass die Politik alles unternimmt, um die Energiesicherheit in Deutschland zu gewährleisten und die finanziellen Belastungen für die Betriebe einzudämmen – ob über Energiekostenzuschüsse, Energie-Hilfen oder eine sofortige Senkung der Energiesteuern. Darüber hinaus bedarf es struktureller Verbesserungen der Rahmenbedingungen, um dringend benötigte Perspektiven für die Zukunftssicherung der Branche zu schaffen. Ganz oben auf der Agenda steht dabei für uns die dauerhafte Geltung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Speisen in Restaurants. Die im dritten Entlastungspaket verkündete Verlängerung der 7% Mehrwertsteuer ist dabei das richtige und dringend benötigte und mutmachende Signal für die Branche in herausfordernden Zeiten. Mehr denn je kommt es auf eine Politik an, die die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung unserer Branche wertschätzt und danach handelt. Unsere Betriebe brauchen faire Wettbewerbsbedingungen und Luft zum Atmen. Neue Belastungen und Reglementierungen darf es nicht geben. Nur mit starken Betrieben werden wir gemeinsam auch diese Krise überwinden.“